Deutsche Raumfahrer

Sigmund Jähn - der erste Flug

Es dauerte eine Weile, bis sich nach der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland allgemein das Wissen durchsetzte, dass der Vogtländer Sigmund Jahn der erste Deutsche im All gewesen ist - und nicht Ulf Merbold, der erst fünf Jahre später folgt.
Am 26. August 1978 startete Sigmund Jähn im Rahmen des Interkosmos-Programms zusammen mit dem sowjetischen Kommandanten Waleri Bykowski an Bord einer Sojus-Kapsel zur Raumstation Salut 6. Dies war bereits der dritte Flug insgesamt im Rahmen dieser Mission, jedoch der erste mit deutscher Beteiligung. Die gesamte Flugdauer betrug acht Tage und beide Raumfahrer kehrten wohlbehalten auf die Erde zurück - allerdings zog sich Jähn bei der Landung, bei sich die Sojus-Kapsel dreimal überschlug, eine bleibende Rückenverletzung zu.

Jähn, Quelle:http://www.astronauten.dlr.deObschon die Mission ein wissenschaftlicher Erfolg war und die von den Deutschen beigetragenen Geräte - vor allem eine Multispektralkamera - als "weltraumtauglich" befunden wurden, wiederholten weder Sigmund Jähn noch ein anderer Bürger der DDR das Abenteuer Raumfahrt, hauptsächlich aus finanziellen Gründen.
Obwohl der Flug demnach keine weitreichenden wissenschaftlichen Auswirkungen hatte, wurde er durch intensive Propaganda zu einem bedeutenden Ereignis - ein Umstand, der dem bescheidenen Sigmund Jähn wenig gefiel.

Nach der Wiedervereinigung bot sich Sigmund Jähn die Möglichkeit, für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie für die Weltraumbehörde ESA als Berater und Ausbilder zu arbeiten und zwischen den russischen und europäischen Verantwortlichen zu vermitteln. Somit wurden weitere gemeinsame Projekte mit der Mir und der ISS in die Wege geleitet. 1998 wurde Jähn von Bundespräsident Roman Herzog mit dem "gesamtdeutschen Ritterschlag" ausgezeichnet.

Der 25. Jahrestag des ersten Fluges eines Deutschen ins All wurde am 30. August 2003 in Jähns Heimatort unter großer Medienbeteiligung gefeiert. Mit dabei waren Vertreter von fast jeder späteren deutschen bemannten Weltraummission, so dass nahezu die gesamte "Raumfahrergilde" Deutschlands versammelt war. Die symbolische Bedeutung dieses Festaktes ist - wie der Schirmherr Johannes Rau betonte - nicht zu unterschätzen. War der Wettlauf dahin, wer als erster einen Vertreter ins All schicken konnte, vor 25 Jahren noch ein wichtiges Mittel der Propaganda des jeweiligen deutschen Landes, so sind diese Streitigkeiten nun hinter gemeinsamen Projekten von Ost und West zurück getreten, wie zum Beispiel die Raumstation ISS eindrucksvoll beweist.